Platte der Woche: Spain - Carolina

Platte der Woche: Spain – Carolina

Das passt doch irgendwie: Während Spanien im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft beim Schreiben dieser Zeilen sein erstes Gruppenspiel betritt, kommt unsere Platte der Woche von einer Band namens Spain. Wenn die spanische Mannschaft jedoch ähnlich gemählich spielt wie die Band auf ihrem neuem Album, dürfte das Vorrundenaus besiegelt sein. Aber Schluss mit den Fußball-Referenzen. Spain legen mit “Carolina” ein wundervolles Album vor, das eindrucksvoll unterstreicht, warum die Band nach dem Debüt im Jahre 1995 als einer der Wegbereiter der Slowcore-Bewegung gilt.

Nachdem die Band im Verlaufe ihrer Geschichte den ein oder anderen Besetzungswechsel vorgenommen hat, besteht Spain momentan ausschließlich aus Sänger Josh Haden, dem Sohn von Kontrabassist und Free Jazz-Legende Charlie Haden. Es ist das erste Album Hadens nach dem Tod seines Vaters vor zwei Jahren und natürlich hat dieser Schicksalsschlag Einfluss auf den Songwriting-Prozess genommen. “I wanted to get back to my musical family roots of country and of my dad who passed away two years ago”, sagt Josh Haden über die Entstehung des neuen Albums. Dementsprechend ist das Album weitaus persönlicher ausgefallen als man es sonst von Spain gewohnt ist. Haden hat das Album für seinen Vater geschrieben und es behandelt dabei Themen aus seinem Leben, dem seines Vaters oder auch von Verwandten. Es behandelt die Folgen der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren (The Great Depression), ein Minenunglück im Jahr 1968 oder auch seine eigene Kindheit und die verflossene Jugendliebe. An den Aufnahmen waren insgesamt nur eine Handvoll ausgewählter Künstler beteiligt, darunter seine Schwester Petra Haden an der Violine.

Die Americana und Alt-Country-Einflüsse prägen das sechste Studioalbum von Spain. Die Stimme von Haden, die karg instrumentalisierten Melodien, die häufiger an Calexico erinnern, samt der kurzgeschichtenähnlichen Texte ziehen den Hörer in ihren Bann. Sonderlich aufregend ist das sicherlich nicht, aber das ist auch zu keinem Zeitpunkt die Absicht Hadens. Er liefert ein wundervoll melancholisches Album mit anspruchsvollen Texten, das vielleicht eher zu einem regnerischen Herbstabend passt, aber auch im Sommer definitiv öfter auf dem Plattenteller landen sollte!

Der Dodo

Der Dodo gilt seit 1690 als ausgestorben. Das ist natürlich vollkommener Unsinn. Im Berliner Stadteil Schöneberg hat er ein schönes Reservat gefunden, in dem er sich seiner großen Leidenschaft widmen kann: der Vinyl Schallplatte!

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